Die Session

Musik am Tisch, nicht auf der Bühne

Was da eigentlich gespielt wird, warum zwischen den Stücken so viel geredet wird und wie eine irische Session ausgerechnet nach Potsdam kam.

Was eine Session ist

Eine Session ist am ehesten mit einer Jamsession im Jazz verwandt: Man trifft sich zwanglos, ohne Programm und ohne Probe. Der Unterschied liegt im Material. In der irischen Musik wird nicht frei improvisiert, sondern aus einem Repertoire geschöpft, das jeder über die Jahre im Kopf mitbringt — Melodien, die man auswendig kann und ohne Noten spielt. Wer eine kennt, steigt ein. Wer sie nicht kennt, hört zu und fragt danach.

Gespielt werden vor allem dance tunes: Reels, Jigs, Polkas, Hornpipes, Mazurkas, Walzer. Sie werden in Sets aneinandergehängt, meist zwei oder drei hintereinander, ohne Pause dazwischen. Wie viele es werden und wann gewechselt wird, entscheidet sich im Spielen — niemand kündigt etwas an.

Nach dem Set wird geredet: über die Tunes, woher jemand eine Melodie hat, oder über alles andere. Das ist kein Aussetzer im Programm. Das ist der zweite Teil des Abends.

Wer später dazukommt, setzt sich leise dazu und wartet das laufende Set ab. Die Runde wächst im Lauf des Abends und schrumpft gegen Ende wieder, wenn die Ersten nach Hause fahren.

Wenn es gut läuft, entsteht ein Sog. Ein Set geht in das nächste über, dann ins übernächste, und plötzlich klopfen im Raum die Finger mit. Dafür gibt es in Irland ein Wort: flow.

Craic

Es gibt ein zweites irisches Wort, das mindestens genauso wichtig ist: craic. Gesprochen „kräck“. Es meint keine bestimmte Sache, sondern die Qualität des Abends als Ganzes — die guten Gespräche, den Witz, die Stimmung zwischen allen im Raum. Ein Abend kann musikalisch solide sein und trotzdem kein craic haben. Und umgekehrt.

Deshalb sind Zuhörer keine Statisten. Ob ein Abend gelingt, hängt genauso an den Leuten im Raum wie an denen am Tisch. Komm gerne auf uns zu — Rückmeldungen, Fragen zu einem Tune oder eine eigene Geschichte über irische Musik sind in den Pausen immer willkommen. Und wenn du einen Wunsch hast: frag. Wenn ihn jemand kann, spielen wir ihn.

  • Irish traditional Music Session in Potsdam
Die Musikerinnen und Musiker sitzen einander zugewandt, damit sie sich gegenseitig hören.

Woher die Session kommt

Was heute in Pubs stattfindet, hat seinen Ursprung nicht im Pub, sondern in der Küche: Hausmusik, bei der man zusammensaß und für die Leute im Raum spielte. Später kam die Musik in die Wirtshäuser, und über die irische Auswanderung und den Tourismus verbreitete sie sich weit über Irland hinaus. Wer eine Session in Irland erlebt hat, bringt den Eindruck mit nach Hause — und sucht dort einen Ort, an dem sich das wiederholen lässt.

Genauso ist die Potsdamer Session entstanden. Zwei Musiker hatten eine Zeit lang in Donegal im Norden Irlands gelebt und suchten nach ihrer Rückkehr einen Platz zum Spielen. 2002 fanden sie ihn; am ersten Abend kam ein Dritter dazu, der zum Mitbegründer wurde. Über die Jahre wuchs die Runde, wechselte mehrmals das Lokal und spielt bis heute — regelmäßig in Potsdam, ab und zu auch auswärts.

Dazugesetzt haben sich in dieser Zeit Gäste aus Schweden, Irland, Tschechien und den USA. Manche kamen gezielt, weil sie die Session in einem Sessionverzeichnis gefunden hatten, manche rein zufällig. Jeder Besuch verändert den Abend ein wenig: Neue Tunes kommen ins Repertoire, andere verschwinden wieder.

Etwas Eigenes ist dabei auch entstanden. Balladen gehören streng genommen nicht in eine Tune-Session — bei uns werden sie trotzdem gesungen, teils mit deutschem Text, weil sie den Leuten gefielen. Das ist kein Bruch mit der Tradition. Fremdes aufzunehmen ist genau das, was irische Musik seit jeher tut.

Welche Instrumente du hörst

Fiddle, Flöten und Whistle, Uilleann Pipes, Akkordeon und Concertina, Banjo und Mandoline, Bouzouki und Gitarre als Begleitung, Bodhrán für den Rhythmus. Was in einer Gruppe klanglich funktioniert, passt — gelegentlich sind auch Instrumente dabei, die man nicht sofort mit Irland verbindet. Die Harfe dagegen ist zwar das Wahrzeichen Irlands, für eine Session aber zu leise.

There are less Germans in Ireland.

ein Musiker der Potsdamer Session auf die Frage, worin der Unterschied zu einer Session in Irland bestehe

Komm vorbei

Kein Eintritt, keine Anmeldung. Wann und wo wir das nächste Mal spielen, steht bei den Terminen. Und wenn du selbst ein Instrument mitbringen willst — hier steht, wie das läuft.

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